Als die Zeit ihren Atem anhielt

by | Feb 7, 2026

Heu­te fühl­te sich der Tag an, als hät­te er sei­ne Rich­tung ver­lo­ren und damit sei­ne For­de­rung an mich auf­ge­ge­ben. Es war, als wür­de die Zeit selbst einen Schritt zurück­tre­ten und mir erlau­ben, ihr nicht zu fol­gen, son­dern ein­fach in ihr zu ste­hen. Nichts dräng­te, nichts rief, nichts zog mich nach vor­ne.

In die­sem Raum begann sich etwas in mir zu lösen, das ich lan­ge für not­wen­dig gehal­ten hat­te. Das inne­re Antrei­ben, das mich sonst durch die Stun­den führ­te, ver­lor sei­ne Span­nung, als hät­te es kei­nen Halt mehr. Es fiel nicht ab, es ver­ging, lei­se und unauf­fäl­lig, wie Nebel, der sich im Mor­gen­licht auf­löst, ohne ver­ab­schie­det zu wer­den.

Ich nahm wahr, wie mein Inne­res wei­ter wur­de, nicht leer, son­dern offen. Gedan­ken tauch­ten auf und zogen wei­ter, ohne sich fest­zu­set­zen. Ent­schei­dun­gen, die sonst nach Ant­wort ver­lang­ten, wur­den still und war­te­ten, ohne unru­hig zu sein. In die­ser Stil­le lag kein Still­stand, son­dern eine ande­re Ord­nung.

Spi­ri­tu­ell betrach­tet sind sol­che Tage Schwel­len­räu­me. Sie gehö­ren nicht dem Vor­her und nicht dem Danach. In alten Bil­dern wären sie die Stun­den zwi­schen den Wel­ten, in denen das Tun ruht und das Sein hör­bar wird. Wer sich in ihnen auf­hält, begeg­net nicht neu­en Wegen, son­dern dem Ursprung allen Gehens.

Ich spür­te eine Gegen­wart, die sich nicht zeig­te, weil sie nie ver­bor­gen gewe­sen war. Sie war wie eine Quel­le unter der Ober­flä­che, die nicht fließt, um gese­hen zu wer­den, son­dern um zu tra­gen. Die­se Gegen­wart ver­lang­te nichts von mir. Sie erklär­te nichts. Sie erin­ner­te mich an etwas, das ich nie ver­lo­ren hat­te.

Mit dem Nach­las­sen des inne­ren Drän­gens ver­än­der­te sich mein Blick auf das Leben. Zie­le ver­lo­ren ihre Schwe­re, und Plä­ne lös­ten ihre fes­ten Kon­tu­ren. Ich begann zu ver­ste­hen, dass nicht jede Bewe­gung aus Wahr­heit ent­steht und dass es eine Weis­heit gibt, die nicht antreibt, son­dern war­tet.

Heu­te gehe ich nicht wei­ter, weil kein Schritt ver­langt wird. Ich blei­be in die­sem Raum, der nichts ver­spricht und doch alles hält. In die­sem Blei­ben geschieht etwas, das nicht benannt wer­den muss, um wirk­sam zu sein. Ich glau­be das ist die tie­fe­re Bedeu­tung sol­cher Tage. Sie erin­nern uns dar­an, dass das Leben auch dann wirkt, wenn wir nichts tun, außer anwe­send zu sein. Und dass dort, wo nichts mehr drängt, eine stil­le Kraft beginnt, die nicht führt, son­dern trägt.

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Stefan Galbavi

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