Als ich begann, mein Buch „New Reiki, Zurück zum Ursprung“ zu schreiben, wollte ich kein weiteres Lehrbuch über Reiki schaffen. Es ging mir nicht darum, bekannte Inhalte neu zu ordnen, eine zusätzliche Methode zu erklären oder den Leserinnen und Lesern einen festen Ablauf vorzugeben, den sie möglichst genau befolgen sollten. Hinter dem Schreiben stand eine andere Bewegung. Über viele Jahre hatte ich Reiki kennengelernt, angewendet und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Dabei war in mir immer deutlicher die Frage entstanden, ob wir uns der universellen Lebensenergie wirklich durch immer mehr Wissen nähern oder ob uns gerade die vielen Vorstellungen davon entfernen können, was ursprünglich einfach und unmittelbar war. Mein Buch entstand deshalb nicht aus dem Wunsch, einer bestehenden Lehre etwas hinzuzufügen. Es entstand aus dem Bedürfnis, Schicht für Schicht zurückzunehmen, was zwischen den Menschen und ihre eigene Wahrnehmung gestellt wurde. Ich wollte auf etwas hinweisen, das nicht erst erlernt, verdient oder von außen verliehen werden muss. Etwas, das längst da ist, aber unter Regeln, Erwartungen und spirituellen Konzepten kaum noch erkannt wird.
Lange Zeit glaubte auch ich, Reiki müsse vor allem verstanden werden. Ich beschäftigte mich mit Abläufen, Einweihungen, Symbolen und den Vorstellungen darüber, wie Energie aufgenommen, weitergegeben oder gelenkt werden sollte. Dieses Wissen gab mir zunächst Orientierung, denn es ist beruhigend, einen Rahmen zu haben, wenn man sich einem Bereich nähert, der sich dem Verstand nicht vollständig erschließt. Eine klare Form vermittelt Sicherheit und kann uns dabei helfen, die ersten eigenen Erfahrungen einzuordnen. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass sich mein Blick immer stärker auf die Form richtete. Ich fragte mich, ob ich alles richtig machte, ob meine Wahrnehmung deutlich genug war und ob ich die notwendigen Voraussetzungen erfüllte. Je mehr ich nach Bestätigung suchte, desto weniger vertraute ich dem, was sich unmittelbar in mir zeigte. Ich begann zu erkennen, dass Wissen zwar eine Tür öffnen kann, aber auch zu einer Wand werden kann, wenn es uns glauben lässt, die Wahrheit müsse immer außerhalb der eigenen Erfahrung gefunden werden.
Diese Erkenntnis entstand nicht aus einer Ablehnung meiner bisherigen Erfahrungen. Vieles von dem, was ich gelernt hatte, war wertvoll und hat meinen Weg begleitet. Doch ich begann zwischen der Energie selbst und den Erklärungen über sie zu unterscheiden. Wenn Reiki universelle Lebensenergie ist, dann kann es nicht erst durch ein System entstehen. Es kann nicht ausschließlich dort vorhanden sein, wo bestimmte Begriffe, Grade oder Symbole bekannt sind. Die Energie muss bereits im Leben selbst wirken, in jedem Atemzug, in jedem Körper und in jeder natürlichen Bewegung. Sie kann nicht von uns getrennt sein und gleichzeitig die Kraft darstellen, durch die wir überhaupt lebendig sind. Dieser Gedanke veränderte mein Verständnis grundlegend. Ich musste mich nicht länger fragen, wie ich eine Verbindung herstellen kann, die im Wesen des Lebens bereits besteht. Ich durfte mich vielmehr damit beschäftigen, welche Vorstellungen mich daran hindern, diese Verbindung wahrzunehmen. Genau dort begann für mich die Rückkehr zum Ursprung.
Aus diesem Grund führt mein Buch nicht wie ein klassisches Lehrbuch von einer Technik zur nächsten. Es verspricht keine Stufen, durch die ein Mensch allmählich wertvoller, mächtiger oder spirituell weiter wird. Es gibt keine Position, von der aus jemand über anderen steht, weil er mehr Wissen besitzt oder besondere Zugänge verwaltet. Die universelle Lebensenergie kennt solche Hierarchien nicht. Sie fragt nicht nach einem Titel und prüft nicht, ob jemand ausreichend vorbereitet ist, um von ihr berührt zu werden. Diese Vorstellung empfand ich zunehmend als befreiend, denn sie nahm der spirituellen Erfahrung den Druck, etwas leisten zu müssen. Gleichzeitig brachte sie Verantwortung mit sich. Wenn keine äußere Instanz zwischen mir und der Energie stehen muss, kann ich mich nicht dauerhaft auf vorgegebene Regeln verlassen. Ich bin eingeladen, stiller zu werden, ehrlicher wahrzunehmen und meiner eigenen inneren Erfahrung wieder zu begegnen. Das Buch kann dabei begleiten und Hinweise geben, doch es kann diesen persönlichen Schritt niemandem abnehmen.
Beim Schreiben wurde mir immer klarer, dass die eigentliche Botschaft nicht darin liegt, dem Leser etwas Neues zu geben. Sie liegt darin, ihn an etwas zu erinnern, das unter seinem Suchen bereits vorhanden ist. Diese Erinnerung geschieht nicht wie das Abrufen eines vergessenen Gedankens. Sie ist kein Wissen, das wir irgendwann gelernt und später verloren haben. Sie zeigt sich vielmehr als stilles inneres Erkennen. Vielleicht lesen wir einen Satz und spüren, dass er etwas in uns berührt, das wir längst kannten, ohne Worte dafür zu besitzen. Vielleicht entsteht ein Moment der Ruhe, in dem die vielen Fragen für kurze Zeit leiser werden. In solchen Augenblicken wird nicht unbedingt eine neue Antwort gefunden. Es fällt nur etwas weg, das uns glauben ließ, die Antwort müsse an einem anderen Ort liegen. Genau diese Erfahrung empfinde ich als Erinnerung. Sie kann nicht erzwungen werden, doch sie kann geschehen, wenn ein Mensch bereit wird, den eigenen Vorstellungen für einen Moment weniger Bedeutung zu geben.
Deshalb spreche ich in meinem Buch auch von Selbsteinweihung. Dieser Begriff kann leicht missverstanden werden, wenn wir Einweihung ausschließlich als Ritual betrachten, durch das ein Mensch von außen geöffnet oder mit einer Energie verbunden wird. Für mich bedeutet Selbsteinweihung etwas anderes. Sie ist die bewusste Anerkennung einer Verbindung, die niemals aufgehört hat. Sie ist kein Vorgang, durch den etwas Fremdes in uns eintritt, sondern ein inneres Einverständnis mit dem, was bereits lebt. Niemand kann einem Menschen universelle Lebensenergie geben, denn er besteht selbst aus ihr. Ein anderer Mensch kann begleiten, einen Raum halten und auf etwas hinweisen. Er kann Erfahrungen teilen und Mut machen. Doch die tiefste Erkenntnis muss im Menschen selbst geschehen. Sie beginnt dort, wo er nicht länger glaubt, von einer äußeren Erlaubnis abhängig zu sein, um sich dem Ursprung nahe fühlen zu dürfen.
Diese Sichtweise verändert auch die Bedeutung von Symbolen und Techniken. Ich betrachte sie nicht als grundsätzlich falsch oder wertlos. Sie können unsere Aufmerksamkeit bündeln, eine Absicht sichtbar machen und in bestimmten Momenten hilfreich sein. Doch sie sind nicht die Quelle der Energie. Ein Symbol kann uns erinnern, aber es erschafft nicht das, woran es erinnert. Eine Technik kann uns dabei unterstützen, gegenwärtig zu werden, doch sie kann die Gegenwart nicht ersetzen. Wenn wir glauben, ohne diese Hilfsmittel keinen Zugang zu Reiki zu besitzen, haben wir aus einer Unterstützung eine Bedingung gemacht. Dann steht die Form nicht mehr im Dienst der Verbindung, sondern wird zu einer Grenze. Mein Buch lädt deshalb nicht dazu ein, alles Gelernte abzulehnen. Es lädt dazu ein, ehrlich zu prüfen, ob eine Form unsere Wahrnehmung öffnet oder ob sie uns von der eigenen inneren Erfahrung abhängig macht.
Während des Schreibens musste ich mir auch selbst immer wieder die Frage stellen, aus welchem inneren Ort meine Worte entstehen. Wollte ich überzeugen, erklären und eine neue Wahrheit aufstellen, oder wollte ich einen Raum öffnen, in dem der Leser selbst wahrnehmen kann. Diese Unterscheidung war mir wichtig, denn New Reiki soll kein neues System werden, das eines Tages genauso starr zwischen dem Menschen und dem Ursprung steht wie jene Strukturen, die es hinterfragt. Es geht nicht darum, alte Regeln durch neue Regeln zu ersetzen. Auch die Aussage, dass keine Technik notwendig ist, könnte zu einem Dogma werden, wenn sie anderen Menschen ihre persönliche Erfahrung abspricht. Deshalb verstehe ich mein Buch nicht als endgültige Antwort. Es ist meine Betrachtung, gewachsen aus meinem Weg, meinen Zweifeln und den Erkenntnissen, die sich daraus entwickelt haben. Es lädt zur eigenen Prüfung ein und verlangt keinen Glauben.
Für mich beginnt wahre Energiearbeit nicht mit der richtigen Position der Hände, sondern mit Gegenwart. Sie beginnt in dem Moment, in dem ich mich selbst nicht mehr übergehe. Wenn ich meinen Atem wahrnehme, meine Gedanken beobachte und erkenne, mit welcher Absicht ich einem anderen Menschen begegne, verändert sich bereits die Qualität der Verbindung. Ich muss keine besondere Kraft erzeugen. Ich darf still werden und dem Leben erlauben, sich in seiner eigenen Weise zu zeigen. Diese Haltung wirkt einfacher als jede komplizierte Technik, doch sie verlangt viel Ehrlichkeit. Ich kann mich nicht hinter einem Ablauf verstecken und anschließend behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Ich muss wahrnehmen, ob ich wirklich anwesend war, ob ich ein bestimmtes Ergebnis erzwingen wollte und ob ich den anderen Menschen in seiner eigenen Würde achten konnte. New Reiki führt deshalb nicht in eine Beliebigkeit, sondern in eine tiefere persönliche Verantwortung.
Auch Heilung bekam dadurch für mich eine andere Bedeutung. Früher verband ich sie häufig mit der Vorstellung, einen Zustand verändern, eine Blockade lösen oder etwas wieder in Ordnung bringen zu müssen. Heute sehe ich Heilung weniger als Korrektur und mehr als eine Rückkehr in die Beziehung zu uns selbst. Ein Mensch beginnt sich möglicherweise dort zu verändern, wo er nicht länger gegen sein eigenes Erleben kämpfen muss. Wenn Müdigkeit, Angst oder Traurigkeit wahrgenommen werden dürfen, ohne sofort beseitigt zu werden, entsteht ein Raum, in dem sich etwas entspannen kann. Reiki ist dann keine Kraft, die gegen den gegenwärtigen Zustand arbeitet. Es ist eine stille Begleitung, die nichts ausschließt. Das bedeutet nicht, dass jeder Zustand einfach hingenommen werden muss oder medizinische Hilfe überflüssig wird. Es bedeutet, dass Energiearbeit den Menschen nicht auf ein Problem reduziert, sondern ihm in seiner Ganzheit begegnet.
Mein Buch ist deshalb auch keine Anleitung, mit der Heilung garantiert oder kontrolliert werden kann. Niemand kann versprechen, welche Wirkung eine Anwendung haben wird. Die Lebensenergie folgt nicht unseren persönlichen Erwartungen und lässt sich nicht wie ein Werkzeug benutzen, das auf Befehl ein gewünschtes Ergebnis erzeugt. Was wir tun können, ist einen bewussten Raum schaffen, in dem Nähe, Wahrnehmung und innere Bewegung möglich werden. Wir können lernen zuzuhören, ohne sofort zu deuten, und zu berühren, ohne etwas besitzen oder bestimmen zu wollen. Diese Haltung nimmt der Energiearbeit nichts von ihrer Tiefe. Sie befreit sie vielmehr von dem Anspruch, sich ständig beweisen zu müssen. Der Wert einer Begegnung liegt nicht nur in sichtbaren Veränderungen, sondern auch in jenen stillen Momenten, in denen ein Mensch sich wieder selbst spürt.
Wenn ich mein Buch heute betrachte, sehe ich darin keinen Weg, der von Unwissenheit zu einer besonderen spirituellen Stellung führt. Ich sehe eine Bewegung zurück zu etwas Einfachem. Diese Rückkehr ist nicht rückwärtsgewandt und verlangt nicht, dass wir alle Erfahrungen, Methoden oder Entwicklungen vergessen. Sie führt uns vielmehr unter diese Formen, dorthin, wo die unmittelbare Verbindung zum Leben spürbar wird. Der Ursprung ist kein ferner Ort und kein vergangener Zustand, den wir wiederherstellen müssen. Er ist jene Gegenwart, in der unser Atem geschieht, unser Körper lebt und unsere Wahrnehmung entsteht. Wir können ihn nicht wirklich verlassen, doch wir können ihn unter Vorstellungen, Erwartungen und der ständigen Suche aus dem Blick verlieren.
Vielleicht ist „New Reiki, Zurück zum Ursprung“ deshalb am ehesten als Einladung zu verstehen. Das Buch möchte nicht, dass ein Mensch seine eigene Wahrheit gegen meine Worte eintauscht. Es möchte ihn darin bestärken, wieder selbst hinzusehen, zu fühlen und zu erkennen. Es sagt nicht, dass nichts gelernt werden darf, sondern erinnert daran, dass Wissen allein keine Verbundenheit erzeugt. Es lehnt Begleitung nicht ab, sondern stellt infrage, ob Begleitung zu Abhängigkeit führen muss. Es nimmt den Menschen ernst genug, ihm keinen Mangel einzureden, der nur durch ein äußeres System behoben werden könnte.
Für mich liegt darin die eigentliche Bedeutung dieses Buches. Es will nichts zwischen den Leser und den Ursprung stellen. Es möchte keine neue Mauer aus Begriffen errichten, sondern sichtbar machen, dass die vermeintliche Entfernung immer nur in unseren Vorstellungen bestand. Vielleicht wird nicht jeder Mensch dieselben Erfahrungen darin finden, und nicht jede Aussage wird für jeden Weg passend sein. Doch wenn beim Lesen für einen Moment das Gefühl entsteht, nicht länger suchen zu müssen, hat das Buch seine tiefste Aufgabe erfüllt. Dann wurde keine neue Lehre übernommen, sondern etwas Eigenes wiedererkannt. Genau deshalb ist New Reiki für mich kein Lehrbuch im gewöhnlichen Sinn. Es ist eine stille Rückkehr zu der einfachen Wahrheit, dass die universelle Lebensenergie niemals außerhalb von uns lag und der Ursprung uns auch in jenen Zeiten getragen hat, in denen wir glaubten, weit von ihm entfernt zu sein.