Warum wir immer beschäftigt sein wollen

by | Mrz 18, 2026

Was wir vermeiden, wenn wir uns ständig beschäftigen

In letz­ter Zeit habe ich begon­nen, etwas in mir zu beob­ach­ten, das mir lan­ge nicht bewusst war. Es ist kein gro­ßes, offen­sicht­li­ches Ver­hal­ten. Es ist sub­til. Fast unschein­bar. Und doch durch­zieht es mei­nen All­tag. Der Drang, beschäf­tigt zu sein.

Ich mer­ke, wie schnell ich zum Han­dy grei­fe, wenn ein Moment der Lee­re ent­steht. Wie ich auto­ma­tisch etwas erle­di­gen möch­te, sobald ich Zeit habe. Wie schwer es mir manch­mal fällt, ein­fach nur da zu sein, ohne etwas zu tun. Und irgend­wann stell­te sich mir eine ehr­li­che Fra­ge: “Bin ich wirk­lich beschäf­tigt, weil es nötig ist, oder weil ich etwas ver­mei­de”?

Zuerst woll­te ich die­se Fra­ge nicht zu tief betrach­ten. Denn sie führt unwei­ger­lich nach innen. Dort­hin, wo es still wird. Und genau die­se Stil­le scheint es zu sein, der ich so oft aus­wei­che.

Wenn ich nichts tue, wenn kein äuße­rer Reiz mich ablenkt, begin­ne ich mich selbst deut­li­cher wahr­zu­neh­men. Gedan­ken wer­den kla­rer. Gefüh­le tre­ten her­vor. Manch­mal taucht eine lei­se Unru­he auf, die ich im All­tag kaum bemer­ke. Und genau in die­sem Moment ver­ste­he ich, Beschäf­ti­gung ist oft kei­ne Not­wen­dig­keit, son­dern eine Form der Flucht.

Es ist eine sanf­te, gesell­schaft­lich akzep­tier­te Flucht. Eine, die sogar belohnt wird. Wer viel tut, gilt als enga­giert. Wer stän­dig in Bewe­gung ist, wirkt pro­duk­tiv. Doch sel­ten hin­ter­fra­gen wir, ob die­ses Tun wirk­lich aus uns her­aus ent­steht, oder ob es nur ein Mit­tel ist, uns selbst nicht begeg­nen zu müs­sen.

Ich habe für mich erkannt, dass ich mich oft beschäf­ti­ge, um etwas nicht zu füh­len. Nicht bewusst, nicht absicht­lich. Es geschieht auto­ma­tisch. Ein Griff zum Han­dy, ein wei­te­rer Gedan­ke, eine neue Auf­ga­be, und schon ist der Moment der Stil­le ver­schwun­den.

Doch wenn ich inne­hal­te und die­sen Impuls nicht sofort aus­füh­re, ent­steht ein Raum. Ein unge­wohn­ter Raum, in dem nichts pas­siert und gleich­zei­tig alles mög­lich ist. In die­sem Raum begeg­ne ich mir selbst. Nicht der Ver­si­on von mir, die funk­tio­niert oder plant, son­dern der, die ein­fach da ist.

Spi­ri­tu­ell betrach­tet beginnt genau hier etwas Wesent­li­ches. Denn solan­ge ich mich per­ma­nent ablen­ke, blei­be ich an der Ober­flä­che mei­nes eige­nen Erle­bens. Erst wenn ich bereit bin, mich der Stil­le aus­zu­set­zen, öff­net sich eine tie­fe­re Ebe­ne. Eine Ebe­ne, in der ich nicht mehr vor mir selbst davon­lau­fe.

Ich habe bemerkt, dass die­se Stil­le nicht immer ange­nehm ist. Sie kann kon­fron­tie­rend sein. Sie zeigt mir Gedan­ken, die ich sonst über­hö­re. Gefüh­le, die kei­nen Platz im All­tag fin­den. Doch gleich­zei­tig liegt in ihr eine Klar­heit, die ich im stän­di­gen Tun nicht fin­de.

Mit der Zeit ver­än­dert sich etwas. Die Stil­le ver­liert ihren Schre­cken. Sie wird ver­trau­ter. Und ich begin­ne zu erken­nen, dass ich nichts ver­mei­den muss. Dass alles, was in mir auf­taucht, da sein darf, ohne sofort gelöst wer­den zu müs­sen.

Heu­te beob­ach­te ich mich noch immer dabei, wie ich mich beschäf­ti­ge. Der Impuls ist nicht ver­schwun­den. Aber ich sehe ihn kla­rer. Und manch­mal ent­schei­de ich mich bewusst dage­gen. Nicht aus Dis­zi­plin, son­dern aus dem Wunsch her­aus, wirk­lich anwe­send zu sein.

Viel­leicht geht es nicht dar­um, weni­ger zu tun. Viel­leicht geht es dar­um, ehr­li­cher zu sehen, war­um wir tun, was wir tun. Denn hin­ter unse­rer stän­di­gen Beschäf­ti­gung ver­birgt sich oft nicht nur Akti­vi­tät, son­dern eine lei­se Sehn­sucht nach Ruhe, die wir uns selbst noch nicht ganz erlau­ben.

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Stefan Galbavi

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