Veränderung gehörte schon immer zu meinem Leben, und doch war sie lange Zeit mit einer tiefen, schwer greifbaren Angst verbunden, die ich mir nicht allein durch äußere Umstände erklären konnte. Erst aus spiritueller Sicht begann ich zu verstehen, dass diese Angst nicht daher rührte, dass Veränderung an sich bedrohlich ist, sondern dass sie etwas in mir berührte, das weit unter der Oberfläche meines bewussten Denkens lag.
Wie viele andere Menschen suchte auch ich nach Sicherheit, nach Verlässlichkeit und nach Strukturen, die mir Halt gaben, und genau dort begann mein innerer Konflikt. Was ich lange als Sicherheit empfand, war in Wahrheit oft nichts anderes als Gewohnheit – vertraut, berechenbar, aber nicht mehr lebendig. Spirituell betrachtet hielt ich nicht an dem Bekannten fest, weil es mir guttat, sondern weil es mir eine Identität gab, an der ich mich festhalten konnte.
Meine Angst vor Veränderung war häufig die Angst vor dem Verlust meines Selbstbildes. Wer wäre ich, wenn sich mein Leben wirklich wandeln würde. Wenn alte Rollen, Überzeugungen oder Beziehungen wegfallen würden. Wenn das, womit ich mich so lange identifiziert hatte, keinen Bestand mehr hätte? In einer Zeit, in der Identität stark über Leistung, Zugehörigkeit und äußere Stabilität definiert wird, fühlte sich Veränderung für mich schnell wie ein innerer Kontrollverlust an.
Doch aus spiritueller Sicht begann ich zu erkennen, dass dieser Kontrollverlust kein Scheitern war, sondern ein Übergang. Veränderung forderte mich nicht dazu auf, etwas Neues zu erschaffen. Sondern sie lud mich ein, etwas Altes loszulassen, das nicht mehr mit meiner inneren Wahrheit übereinstimmte. Genau darin lag die Tiefe meiner Angst, denn Loslassen bedeutete für mich, dem Leben zu vertrauen, ohne zu wissen, wie der nächste Schritt aussehen würde.
Lange trug ich die unbewusste Vorstellung in mir, erst dann sicher zu sein, wenn alles geklärt, geplant und abgesichert wäre. Doch mein spiritueller Weg lehrte mich, dass das Leben keiner linearen Logik folgt. Es bewegt sich in Zyklen, in Phasen des Werdens und Vergehens, in Momenten der Auflösung, die notwendig sind, damit etwas Neues entstehen kann. Meine Angst entstand immer dort, wo ich versuchte, diesen natürlichen Fluss zu kontrollieren.
In der heutigen Zeit, in der alles schneller, lauter und komplexer geworden ist, verstärkte sich diese Angst in mir zusätzlich. Permanente Erreichbarkeit, gesellschaftlicher Druck und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, ließen kaum Raum für innere Prozesse. Veränderung fühlte sich nicht wie Entwicklung an, sondern wie zusätzliche Überforderung. Spirituell gesehen erkannte ich darin ein Zeichen dafür, wie weit ich mich von meinem inneren Rhythmus entfernt hatte.
Veränderung konfrontierte mich immer wieder mit dem Unbekannten, und mein Verstand interpretierte dieses Unbekannte instinktiv als Gefahr. Doch aus einer tieferen Perspektive begann ich zu spüren, dass das Unbekannte kein Feind ist, sondern ein Raum voller Möglichkeiten, der nur deshalb Angst macht, weil er sich nicht kontrollieren lässt. Meine Seele kannte diesen Raum. Sie bewegte sich nicht aus Sicherheit heraus, sondern aus Wahrheit.
So verstand ich, dass meine Angst vor Veränderung nicht das Gegenteil von spiritueller Entwicklung war, sondern oft ihr Vorbote. Sie zeigte mir, dass ich an einer Schwelle stand, an der etwas in mir reif geworden war. Was sich wie Widerstand anfühlte, war in Wahrheit ein inneres Ringen zwischen dem, was ich kannte, und dem, was ich längst spürte.
Spirituelle Entwicklung bedeutete für mich nicht, angstfrei zu werden, sondern meiner Angst mit Bewusstheit zu begegnen. Sie nicht zu bekämpfen, sondern ihr zuzuhören. Denn immer wieder erkannte ich, dass meine Angst eine Botschaft in sich trug, die mir zeigte, wo ich mich noch festhielt, wo ich mich schützte und wo ich dem Leben noch nicht vollständig vertraute.
Als ich begann, Veränderung nicht länger als Bedrohung, sondern als Einladung zu betrachten, verschob sich etwas Wesentliches in mir. Ich erkannte, dass ich nicht verlieren konnte, was mir wirklich gehörte. Was ging, war nie mein Kern. Was blieb, war das, was ich bin – jenseits von Rollen, Sicherheiten und äußeren Formen.
In einer Zeit des kollektiven Wandels, in der alte Systeme, Denkweisen und Sicherheiten brüchig werden, empfinde ich meine Angst vor Veränderung nicht mehr als persönliches Versagen, sondern als zutiefst menschliche Reaktion. Spirituell betrachtet erlebe ich diesen Wandel als Übergang, der nicht nach schnellen Lösungen verlangt, sondern nach innerer Ehrlichkeit und sanfter Präsenz.
Veränderung lädt mich heute dazu ein, still zu werden und zu lauschen – nicht auf das, was laut im Außen ruft, sondern auf das, was leise in mir antwortet. Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, warum ich Angst vor Veränderung habe, sondern was in mir darauf wartet, endlich gelebt zu werden, wenn ich den Mut finde, einen Schritt ins Unbekannte zu gehen.

